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Medizinisches

Medizinische Aspekte zum Ausdauertraining und Trainingsdefizit

Aspekte des Breitensports:

Unter Gesichtspunken der Gesundheitsförderung wird für den Breitensport empfohlen, nach Möglichkeit mindestens drei Mal pro Woche über mindestens 30 Minuten ein Ausdauertraining zu praktizieren. Die Trainingsbelastung sollte sich im Allgemeinen auf einem Niveau von etwa 80 bis ggf. 90% der maximalen individuellen Belastbarkeit bewegen. Nach überwiegender Lehrmeinung ist ein Ausdauertraining in dieser Quantität hinreichend, um alltagsrelevante messbare Leistungsverbesserungen zu erreichen und gegebene präventivmedizinische Potenziale auszuschöpfen. Die Vorbeugungsaspekte einer regelmäßig praktizierten Ausdauerbelastung beziehen sich unter medizinischen Gesichtspunkten primär auf herz-kreislaufbezogene Risikofaktoren, die durch regelmäßiges Ausdauertraining günstig beeinflusst werden können (z. B. Bluthochdruck, Blutfetterhöhungen, Übergewicht, Erhöhungen des Blutzuckers, Fibrinogenblutspiegels u. a.).

Unter einem regelmäßigen Ausdauertraining entwickeln sich erwünschte Anpassungsprozesse des Herz-Kreislauf-Systems. So wird die periphere Durchblutung verbessert, die Sauerstoffausschöpfung in der Muskulatur gesteigert, die Herztätigkeit unter Belastungssituationen ökonomisiert. Augenfällig auch vom einzelnen Probanden selbst feststellbar ist die Reduktion der Herzschlagfolge unter Ruhebedingungen und ein zunehmend moderater Puls- und Blutdruckanstieg unter Belastung.

Aspekte des Wettkampfsports:

Beim Sportler bzw. Leistungssportler liegen die Trainingsintensitäten naturgemäß erheblich höher als die vorstehend dargelegten Empfehlungen für den Breiten- bzw. “Gesundheitssport”. Primäre Zielsetzung des sportlichen Leistungstrainings ist eine Optimierung der maximalen Leistungsfähigkeit; diese Zielsetzung geht über die Anliegen des Breitensports bzw. Gesundheitssports deutlich hinaus.

Die wesentlich höhere Trainingsintensität führt im Falle des leistungsorientieren Ausdauertrainings in aller Regel zu ausgeprägteren Änderungen der Herz-Kreislauf-Regulation als dies bei gemäßigtem Training festzustellen ist. So kann es im Zustand körperlicher Ruhe zu wesentlich ausgeprägteren Verlangsamungen der Herzschlagfolge kommen. Die Herzmuskelwände können unter der Trainingssituation eine Verdickung (Hypertrophie) entwickeln. Diese Herzwandverdickung kommt durch eine Größenzunahme der Herzmuskelzellen zustande; hier spricht der Volksmund vom “Sportlerherz”.

Im Einzel- bzw. Ausnahmefall können sich bei einem “Sportlerherz” medizinische Probleme ergeben, wenn bei zunehmender Herzmuskelmasse die kleineren Gefäßäste der Herzkranzgefäße keine adäquate Blutversorgung mehr gewährleisten, die der Zunahme der Herzmuskelmasse proportional wäre. In diesem Fall können trotz organisch intakten Herzkranzgefäßen relative Mangeldurchblutungen in der verdickten Herzwand entstehen, vor allem bei Belastungssituationen. Zusätzlich kann ein wandverdicktes Herz zu vermehrten Herzrhythmusstörungen neigen. Diese können im Einzelfall potenziell gefährdend sein.

Nicht jeder Sportler, der systematisch Leistungssport betreibt, hat vor Aufnahme seiner sportlichen Aktivitäten eine detaillierte Untersuchung des Herzens erhalten. Oftmals gehört zum Routineprogramm einer ärztlichen Eingangsuntersuchung lediglich die Erhebung des körperlichen Untersuchungsbefundes und die Aufzeichnung eines Ruhe- und Belastungs-EKG. Herzultraschalluntersuchung und Langzeit-EKG gehören schon nicht mehr unbedingt zum routinemäßigen Repertoire einer sportmedizinischen Eignungsuntersuchung.

Andererseits können in einzelnen Fällen auch bei aktiven Sportlern organische Herzerkrankungen vorliegen, die mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens erkannt werden könnten. Hier kann es sich beispielsweise um Defekte der Herzscheidewand handeln, um Anomalien der Herzklappen oder auch um angeborene oder erworbene krankhafte Veränderungen der Herzmuskulatur selbst (Kardiomyopathien). Bei den Kardiomyopathien kann sich aufgrund einer primären Erkrankung des Herzmuskels eine Verdickung der Herzwände von u. U. extremem Ausmaß entwickeln, in anderen Fällen besteht eine zunehmende Erweiterung der Herzhöhlen. Auch das Langzeit-EKG kann mitunter bei scheinbar Gesunden auf Herzerkrankungen hinweisen.

Gelegentlich erfährt man aus der Presse vom plötzlichen und unerwarteten Tod eines bekannten Athleten, der während des Trainings oder Wettkampfes einen plötzlichen "Sekundentod" erlitt. In mehreren solcher Fälle ergab die Obduktion, dass organische Herzerkrankungen vorlagen, die vor dem Tod des dennoch sehr leistungsfähigen Sportlers nicht bekannt waren.

Die vorstehenden Ausführungen sollen sicherlich nicht Anlass geben, einem sportbegeisterten Leser die Freude an seinem Sport zu nehmen oder Ängste vor nachteiligen Folgen zu wecken. Andererseits sollte sich nachvollziehen lassen, dass gerade in Würdigung der extremen Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems im Falle eines ausdauerbetonten Leistungssportes eine möglichst umfassende Untersuchung des Herzens einen nicht unerheblichen Stellenwert hat.

Gerade nach längerem krankheitsbedingten Pausieren eines Ausdauertrainings können sich bei einer schrittweisen Wiederaufnahme des Trainings Anpassungsprobleme des Herz-Kreislauf-Systems ergeben; auch können die potenziellen Belastungsrisiken gerade in der Anfangsphase erhöht sein.

Aus diesen Gründen ist eine differenzierte Funktionsdiagnostik des Herz-Kreislauf-Systems ein integraler Bestandteil unserer Rehabilitationsangebote für Sportler.

Copyright: Prof. Dr. J. Piper, Meduna-Klinik, 56864 Bad Bertrich,
Tel.: 02674 / 182 0, Fax: 02674 / 182 3182